Lockkrähen besocken oder beflocken? Vor- und Nachteile gegenüber dem Neukauf.
Beschädigte Lockkrähen müssen nicht automatisch ersetzt werden. Mit einer einfachen und kostengünstigen Methode lassen sich gebrauchte oder abgenutzte Lockvögel wieder für viele weitere Jagden fit machen. Das Besocken von Lockkrähen ist eine praktische Lösung, um eine matte Oberfläche zu erhalten, störende Reflexionen zu vermeiden und die Lebensdauer der eigenen Lockvögel deutlich zu verlängern.
Die Bedeutung einer realistischen Lockkrähe
Die Krähenjagd mit dem Lockbild lebt von der Täuschung. Rabenvögel verfügen über eine aussergewöhnlich gute Wahrnehmung und reagieren sehr aufmerksam auf Veränderungen in ihrer Umgebung. Jede Unregelmässigkeit kann dazu führen, dass ein anfliegender Vogel misstrauisch wird und ausserhalb der Schussentfernung abdreht.
Neben der richtigen Tarnung des Jägers, der Wahl des Standplatzes und einem durchdachten Lockbild spielt deshalb auch die Qualität der Lockkrähen und bedacht gewählten Ausrüstung eine entscheidende Rolle.
Eine natürliche Krähe besitzt kein glänzendes Gefieder. Das Licht wird durch die feinen Strukturen der Federn gebrochen und erzeugt eine matte, lebendige Oberfläche. Genau diesen Effekt versucht man bei künstlichen Lockvögeln nachzuahmen.
Beflockte Lockkrähen wurden entwickelt, um diesen natürlichen Eindruck möglichst gut wiederzugeben. Die samtartige Oberfläche reduziert Spiegelungen und lässt die Attrappen aus der Entfernung deutlich realistischer erscheinen.
Doch auch die beste Beflockung bleibt nicht dauerhaft unbeschädigt.
Warum Lockkrähen ihre Beflockung verlieren
Der Alltag einer Lockkrähe ist manchmal hart. Nach jeder Jagd werden die Attrappen eingesammelt, transportiert und gelagert. Besonders bei größeren Lockbildern mit mehreren Dutzend Lockvögeln entstehen beim Transport zwangsläufig Reibungen. Regen, Schnee, Sonne tragen ihren Teil für den Verlust der einwandfreien Oberfläche dazu bei.
Mit der Zeit entstehen kahle Stellen an den ganzen Attrappen. Der darunterliegende
Kunststoff kommt zum Vorschein und kann Licht reflektieren. Gerade bei tief
stehender Sonne oder hellem Winterlicht fallen solche Stellen deutlich auf. Die Krähen beginnen zu unnatürlich zu glänzen.
Glänzend ist unnatürlich!
Viele Jäger kennen das Problem: Die Lockkrähen sehen nach mehreren Jahren nicht mehr wie eine geschlossene schwarze Gruppe aus, sondern wirken teilweise fleckig oder künstlich.
Eine Neubeflockung wäre möglich, ist jedoch häufig mit Aufwand und Kosten verbunden. Genau hier bietet das Besocken eine interessante Alternative.
Lockkrähen besocken – eine einfache Lösung mit großer Wirkung
Beim Besocken wird die gesamte Lockkrähe mit einer schwarzen Socke überzogen. Die Methode ist einfach, günstig und kann mit wenigen Hilfsmitteln durchgeführt werden.
Der große Vorteil liegt darin, dass der Stoff die gleiche Aufgabe übernimmt wie die ursprüngliche Beflockung:
- Er verhindert störende Glanzstellen.
- Er erzeugt eine matte Oberfläche.
- Er schützt den Kunststoffkörper.
- Er kann bei Verschleiss schnell ersetzt werden.
- Damit wird aus einer beschädigten Lockkrähe wieder ein vollwertiger Bestandteil des Lockbildes.
Das richtige Material auswählen
Besonders geeignet sind schwarze Baumwollsocken. Baumwolle besitzt eine natürliche, matte Oberfläche und reflektiert deutlich weniger Licht als viele Kunstfasern.
Bewährt haben sich:
- schwarze Socken
- hoher Baumwollanteil
- ausreichende Elastizität
- passende Grösse (43 und mehr) für die Lockkrähe
Zu kleine Socken lassen sich nur schwer überziehen und können die Form der Attrappe verändern. Zu grosse Modelle werfen dagegen Falten. Ein möglichst glatter Sitz ist wichtig, denn die Silhouette einer Krähe sollte erhalten bleiben.
Benötigte Werkzeuge
Für das Besocken werden keine besonderen Spezialwerkzeuge benötigt.
In der Regel reichen:
- schwarze Baumwollsocken
- Schere
- ein 10mm Bohrer
Bürste oder Tuch zur Reinigung
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Besocken von Lockkrähen
- Lockkrähe vorbereiten
Zunächst sollte die Attrappe gründlich gereinigt werden. Staub, Erde, Fett und alte Beflockungsreste sollten entfernt werden. Eine saubere Oberfläche sorgt dafür, dass die Socke besser sitzt und nicht verrutscht. Bei stark beschädigten Lockkrähen können lose Kunststoffteile oder scharfe Kanten vorsichtig entfernt werden.
- Socke überziehen
Die Socke wird von unten über den Körper gezogen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Stoff gleichmässig verteilt ist. Besonders wichtig sind:
– Kopfbereich
– Rückenlinie
– Flügelansatz
– Brustbereich
Die Form der Krähe sollte weiterhin klar erkennbar bleiben.
- Falten vermeiden
Falten oder lose Stoffbereiche können die natürliche Form verändern. Deshalb sollte die Socke möglichst straff sitzen. Ein leicht gespannter Stoff wirkt aus größerer Entfernung wie eine geschlossene Oberfläche und unterstützt den realistischen Eindruck.
- Öffnungen wieder herstellen
Viele Lockkrähen besitzen Öffnungen für Erdspiesse oder Stecksysteme. Diese müssen nach dem Besocken wieder freigelegt werden. Mit einem scharfen Messer lässt sich der Stoff vorsichtig öffnen. Die Schnittstellen sollten nicht unnötig gross gemacht werden, damit die Socke weiterhin stabil sitzt.
Anleitung im Video
Vorteile gegenüber einer Neubeflockung
Das Besocken von Lockkrähen bietet gleich mehrere praktische Vorteile. Besonders überzeugend sind zunächst die geringen Kosten: Eine einfache Baumwollsocke kostet nur einen Bruchteil einer professionellen Neubeflockung. Gerade bei großen Lockbildern oder wenn mehrere Dutzend Lockkrähen im Einsatz sind, lässt sich auf diese Weise mit wenig Aufwand eine komplette Gruppe kostengünstig erneuern.
Ein weiterer Pluspunkt ist die schnelle Reparatur. Während eine Neubeflockung vorbereitet und durchgeführt werden muss, kann eine besockte Lockkrähe innerhalb weniger Minuten wieder einsatzbereit gemacht werden. Das spart Zeit und sorgt dafür, dass das Lockbild schnell wieder vollständig ist.
Auch die Austauschbarkeit spricht für diese Methode. Wird die Socke nach einigen Jahren durch Witterung oder Gebrauch beschädigt, kann sie unkompliziert gegen eine neue ausgetauscht werden, während die eigentliche Lockkrähe weiterhin verwendet wird.
Zusätzlich übernimmt die Socke eine Schutzfunktion. Die Stoffschicht bewahrt die Oberfläche der Lockkrähe vor Kratzern und Abrieb, was insbesondere beim Transport und der Lagerung ein großer Vorteil ist. Dadurch bleibt die Lockkrähe länger in einem guten Zustand und kann über viele Jahre hinweg zuverlässig eingesetzt werden.
Lohnt sich das Besocken?
Für viele Krähenjäger eindeutig: ja.
Das Besocken ist keine reine Reparaturlösung, sondern eine praktische Möglichkeit, die Lebensdauer hochwertiger Lockkrähen erheblich zu verlängern. Gerade wer regelmäßig Krähen jagt und viel Zeit in sein Lockbild investiert, profitiert von einer günstigen und dauerhaften Lösung. Alte Lockvögel erhalten dadurch ein zweites Leben, ohne dass die Qualität des Lockbildes darunter leiden muss.
Fazit: Lockkrähen besocken als bewährte Praxislösung
Lockkrähen müssen nicht nach wenigen Jahren ersetzt werden. Eine beschädigte Beflockung bedeutet nicht automatisch das Ende der Attrappe. Mit schwarzen Baumwollsocken lassen sich gebrauchte Lockkrähen einfach, schnell und kostengünstig wieder herrichten. Die Oberfläche bleibt matt, Reflexionen werden reduziert und die Attrappen können weiterhin zuverlässig im Lockbild eingesetzt werden. Wer seine Lockkrähen pflegt, richtig lagert und beschädigte Modelle rechtzeitig überarbeitet, spart langfristig Geld und erhält gleichzeitig die Qualität seines Lockbildes. Das Besocken ist deshalb eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Methode für jeden Krähenjäger, der Wert auf ein realistisches und langlebiges Lockbild legt.